Hopfen und Malz. Gott erhalts: Besuch im Kloster Mallersdorf.

Als ich in Venezuela war, sah ich ein Video über eine deutsche Schwester, welche Braumeisterin ist. Die Geschichte schien mir super interessant, denn sie ist die einzige, die in Deutschland und in der ganzen Welt übrig bleibt. Ich habe sofort ihren Namen in mein Heft niedergeschrieben. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wie ich mit ihr in Verbindung treten könnte, aber ich wusste, dass ich es tun würde. 

   

Als ich vor 2 Monaten in Deutschland ankam, suchte ich nach allen Wegen um mit ihr in Kontakt zu kommen. Ich gestehe, es war nicht so kompliziert wie ich es mir vorgestellt habe. Ich schrieb an viele Schwestern des Klosters und zwei Tage später antwortete sie: “Komm mal vorbei und wir trinken ein paar Biere zusammen.” Ich konnte es nicht glauben, es war wie ein Traum. Und so war es auch, am 24. Mai reiste ich von München nach Mallersdorf, eine Stadt auf einem Berg in Niederbayern zwischen Regensburg-Landshut-Straubig. Ich danke meinem Freund Omar und meiner Freundin Lili für die Begleitung.

Als ich die Haustür öffnete, trat ich in einen schönen Garten und im Hintergrund konnte ich einen einzigen Tisch sehen. Da war sie zusammen mit einer anderen Schwester, sie tranken einen Kaffee, sie begrüßte mich mit einem großen Lächeln und einer Umarmung – als hätten wir uns schon lange gekannt.

Ich dankte ihr sehr für den Empfang und ich begann sofort mit einigen Fragen, die ich mit euch in diesem PROST teile:

  • Ich habe gelesen, dass Sie die letzte Braumeisterin Nonne in Deutschland und in der ganzen Welt sind. Haben Sie eine Nachfolgerin?

 A: Im Moment gibt es noch keine. Willst du meine Nachfolgerin werden? (lacht).

  • In welchem Jahr haben Sie im Kloster als Braumeisterin angefangen?

A: 1966 fing ich an, im Kloster zu arbeiten, meine Vorgängerin hat mir das Brauen beigebracht. Dann habe ich meine Brauerei Karriere hier in Deutschland angefangen und drei Jahre später war ich allein für all dies verantwortlich.

  • Wie viele Biere trinken Sie jeden Tag?

A: (Gelächter). Ich trinke jeden Tag nur ein Glas Bier, aber freitags mache ich Bierfasten.

  • Bierfasten? Wie geht das?

A: Ich trinke nur ein Viertel Glas Bier zum Frühstück, 250ml beim Mittagessen und 500ml oder ein bisschen mehr beim Abendessen, aber man sollte nichts essen während des Tages, das ist genug, um mindestens 3 Kilo abzunehmen. Außerdem Bier macht dich schlank aber man sollte es mäßig trinken.

  • Was ist Ihr Lieblingsbier?

A: Mein Lieblingsbier ist natürlich das, was ich hier im Kloster braue und es ist ein Helles Bier. Ich bin kein Sympathisant von modernen Craft-Bieren oder industriellen Bieren. Ich bin eine Person, die an Traditionen gebunden ist und für mich ist es wichtig das deutsche Reinheitsgebot zu respektieren.

  • Glauben Sie, dass es eine Beziehung zwischen Gott und Bier geben kann?

A: Aber natürlich, die Beziehung zwischen Kirche und Bier ist nichts Neues. Es ist eine Tradition aus dem Mittelalter, als die Mönche die Biere in ihren Klöstern für den Inlandsverbrauch und für die Pilger, die sie besuchten, brauten. Bier ist das reinste alkoholische Getränk.

  • Ich habe gehört, dass Sie einige Stiftungen haben. Könnten Sie mir ein wenig darüber erzählen?

A: Ja, wir haben einen Kindergarten hier in Deutschland, ein Kinderheim in Afrika und eine Stiftung in Rumänien. Wir helfen immer dem Bedürftigsten, am Ende ist das die Mission, die Gott uns durch Bier gegeben hat.

  • Um das Gespräch mit Schwester Doris zu beenden, was ist Ihr Rat für Frauen, die Braumeisterin werden wollen?

A: Ich kann dir nur sagen, dass es für beide – Männer und Frauen – ziemlich schwierig ist .Aber ich finde es ist bewundernswert, wenn  Frauen diesen Beruf wählen, weil es ein komplizierter Beruf ist. Man sollte auf alles vorbereitet sein, man braucht viel körperliche Kraft, die Fähigkeit Probleme des Tagesgeschäft zu lösen und man befindet sich in einem Arbeitsfeld, das von vielen Männern umgeben ist. Zudem muss man viel Zeit opfern, anstatt zum Beispiel eine Familie zu gründen, was der Traum von vielen Frauen ist.

 

Nach den die Fragen beginnen wir den aufregendsten Teil des Besuchs:

Der Rundgang durch die Brauerei:

Das Kloster Mallersdorf ist ein historischer und kultureller Ort. Die Benediktiner-Brüder waren die ersten, die dieses Kloster aus dem späten 17. Jahrhundert bauten. Während des Krieges wurde es zerstört und es ist seit 1869 das Zentrum der franziskanischen Brüder. In den Geschichtsbüchern kann man Dokumente finden, die aus dem Jahr 1623 stammen, in denen sie die Existenz von Mönchen bestätigen, die ihre Biere in Fässern verkauften. Und vom Jahr 1881 bis heute gehört es den Franziskanerinnen.

Die Brauerei produziert insgesamt 3000 HL Bier und 800 HL alkoholfreie Getränke und Schwester Doris Engelhard ist die verantwortliche Braumeisterin. Sie steht jeden Tag morgens um 3:30 Uhr auf, so dass mittags das Kochen fertig ist. Sie sagt, es ist harte Arbeit für sie allein, aber sie liebt es. Am meisten freut sie sich am Ende des Arbeitstages auf ein Glas Bier mit viel Schaum trinken.

    

Die Lagerung im Keller dauert etwa 6-7 Wochen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Die Kapazität des gesamten Lagerkeller ist 420 hl und die einzelnen Tanks aus Edelstahl sind 70 hl groß. Das Unternehmen, dass die Tanks produziert, heißt Gresser – es ist ein deutsches Unternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Brauindustrie und befindet sich in Regensburg, Deutschland. Darüber hinaus hat die Brauerei auch eine Bierfilter der Marke Pall SeitzSchenk Filtersystems GmbH. Die Filtration des Bieres erfolgt nach der Lagerung und ermöglicht ein Bier ohne Trub, Hefe und ohne Lagerrücksstände. Der Geschmack von gefiltertem Bier und ungefiltertem Bier variiert deutlich. Kieselgur oder Diatomeenerde wird für die Filtration verwendet und ist ein sehr gutes Qualitätsfiltermaterial, das üblicherweise in der Brauindustrie verwendet wird. Nicht alle Biere werden gefiltert und nicht alle Brauereien filtern ihre Biere.

Im Kloster benutzen sie eine sehr alte und traditionelle Technik bei der Kühlung der Würze. Die Anlage heißt Kühlschiff. Es ist eine Art Behälter, er muss offen, breit und flach sein. Traditionell ist es aus Holz gebaut, heutzutage werden sie auch aus Edelstahl oder Kupfer gefertigt, um eine bessere Wärmeleitfähigkeit zu erreichen. Auf diese Weise wird die Würze gekühlt und der für die Hefe notwendige Sauerstoff gewonnen, sodass die Hefe während des Gärungs-Atmungsprozesses erfolgreich arbeiten kann.

      

Darüber hinaus produzieren sie auch Bier mit “offener Gärung”. Es ist zu bedenken, dass es bei der offenen Fermentation wichtig ist, alle Arten von Kontaminationen zu verhindern, um eine längere Haltbarkeit zu gewährleisten.

    

Die Abfüllung verfügt über eine Ausrüstung aus dem Jahre 2002, die von einem Schweizer Unternehmen in Verbindung mit deutschen Unternehmen entworfen wurde. Es besteht aus einer Waschmaschine und einer Abfüllmaschine, zudem gibt es  auch eine Fassabfüllung. Das Bier ist in einer traditionellen deutschen Flasche, die “Bügelverschlussflasche” mit 0,5 lt.

UND AM ENDE KOMMT DAS BESTE …

Wir haben 3  Biere verkostet:

  • Helles Vollbier mit Hefe (ungefiltert): mit einem Stammwürze von 12%.
  • Heller Doppelbock (gefiltertes Bier): mit einem Stammwürze von 18%
  • Jubiläumsbier: ein Bier, das zum Gedenken an das 500 jährige Jubiläum des deutschen Reinheitsgebots gemacht wurde.

Zudem haben wir auch zusammen Abend gegessen. Es gab Brot, Käse und Wurst, was alles im Kloster hergestellt wurde. Eine Leckerei!

  

Das Kloster Mallersdorf hat insgesamt 500 Schwestern, die täglich in ihren Einrichtungen leben und arbeiten. Sie produzieren nicht nur Bier aus der Gegend, sondern produzieren auch ihre eigene Gerste zum Brauen, Brot, Käse, Wurst und Milch.

Um ihre Biere zu kaufen, sollte man direkt zur Brauerei gehen: Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7:30 Uhr bis 17:30 Uhr. Samstags von 9:00 bis 12:00 Uhr Mittwochs nachmittags und Sonntags ist geschlossen. Sie können es auch bei Getränkemärkten im Bereich Regensburg, Landshut oder Straubing kaufen.

Danke Schwester Doris.

ZUM ABSCHLUSS VERLASSE ICH EUCH MIT DEM VIDEO, MIT DEM DIESE GESCHICHTE ANGEFANGT HAT:

Auf ein Bier mit Schwester Doris 

 

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